Nein heißt Nein – und was bedeutet ein Vielleicht?

Mädels, habt ihr schon mal irgendwo etwas über den Satz „Nein heißt Nein“ gehört? Bei diesem Satz geht es um sexuellen Missbrauch. Leider kommt es immer wieder zu furchtbaren Übergriffen, bei denen ein Mensch einen anderen zum Sex zwingt. Für die Opfer ist eine Vergewaltigung und jedes andere sexuelle Verbrechen natürlich unfassbar traumatisierend. Denn die Psyche und, wie ich glaube, auch die Seele werden schwer verletzt.

Während eines sexuellen Übergriffs stehen die Opfer oft so unter Schock, dass sie gar nicht im Stande sind, sich zu wehren. Sie sind wie gelähmt. Viele, und daran ist überhaupt nichts ungewöhnlich oder gar schwach, lassen die Vergewaltigung deshalb wehrlos über sich ergehen.

Trau dich, nein zu sagen

Der Satz „Nein heißt Nein“ soll deutlich machen, dass es bereits ein sexueller Übergriff ist, wenn das Opfer „Nein“ zu seinem Angreifer und dem, was gerade mit ihm passiert, sagt – sich aber dennoch nicht körperlich wehren kann.

Natürlich ist das Thema sehr wichtig und es ist wichtig, dass wir nie vergessen, dass nein wirklich nein bedeutet. Trotzdem möchte ich mich in diesem Artikel mit Situationen beschäftigen, in dem eben genau das nicht ganz klar ist: Ich möchte über „Vielleicht-Situationen“ schreiben. Damit meine ich Situationen, in denen wir nicht sagen können, ob „Ja“ oder „Nein“, einfach, weil wir nicht wissen, ob wir wollen, was gerade mit uns passiert.

Hast du solche Momente schon mal erlebt? Ich ja. Dutzende! Ich glaube, dass man sein Leben lang immer wieder in solche Situationen gerät. Manchmal sind sie harmlos, wenn du zum Beispiel nicht weißt, ob du wirklich Lust hast, in dem Fußballverein zu spielen, in dem du gerade spielst. Manchmal sind solche Situationen aber auch sehr kompliziert und bedeutsam und es ist wichtig, dass wir genau hinfühlen, was das „Vielleicht“ in diesem Moment zu bedeuten hat.

Bin ich schon bereit für Sex? Ja, nein, vielleicht…

In der Jugend erleben Jungs und Mädels oft Vielleicht-Situationen. Besonders, wenn es um sexuelle Erfahrungen geht. Wenn es darum geht, sich zu küssen, weiter zu gehen und sich gegenseitig zu berühren. Wenn es darum geht, den Freund oral zu befriedigen, sich selbst oral befriedigen zu lassen oder darum, miteinander zu schlafen. Weil alles neu ist und wir in dieser Zeit vieles zum ersten Mal ausprobieren, wissen wir natürlich oft noch gar nicht, ob es uns wirklich gefällt und vor allem: ob wir schon bereit sind, diese Dinge überhaupt auszuprobieren.

Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Vielleicht-Situation, die ich auf einer Party erlebt habe. Ich hatte ein bisschen Sekt getrunken und der Typ aus meiner Klasse, den ich super süß fand, war auch da. Wir haben den ganzen Abend zusammengesessen und gequatscht. Irgendwann haben wir uns auf ein Sofa in einer ruhigen Ecke gesetzt und rumgeknutscht. Ich hatte echt Schmetterlinge im Bauch! Als er seine Hand unter mein T-Shirt schob, um meine Brüste anzufassen, fühlte ich mich aber trotzdem plötzlich total unwohl. Obwohl ich ihn mochte, ihn gerne küsste und mir sogar schon vorgestellt hatte, er würde mich eben auf diese Weise berühren. Er hat mir nicht wehgetan oder mich irgendwie bedrängt, es war eher so, als wäre das der normale Ablauf der Dinge – für den ich eben noch nicht bereit war. Ich weiß noch, dass ich aufgesprungen bin und meinte, mir sei schlecht. Mir war auch schlecht, ob durch den Alkohol oder von der Situation, weiß ich nicht.

Auch mit dem festen Freund können Vielleicht-Situationen auftreten. Es kann gut sein, dass ihr euch küsst und er denkt, es wäre total okay, weiter zu gehen, während du mit dem nächsten Schritt lieber noch warten möchtest. Aber jetzt wird es richtig kompliziert! Das Problem ist nämlich, dass diese Vielleicht-Situationen nicht immer eindeutig sind. Denn manchmal kann es wunderschön sein, wenn aus einem Vielleicht ein Ja wird. Wenn wir nicht wissen, ob uns gefällt, was gerade passiert – bis wir merken: Oh ja, es gefällt uns!

Würde wir ein Vielleicht nie austesten, würden wir vielleicht etwas verpassen, das uns Spaß macht. Deshalb ist es ganz wichtig, dass du in dich hinein horchst, wenn das Vielleicht-Gefühl auftritt. Nehme dir einen Moment Zeit, um herauszufinden, ob du nur nicht weißt, was dich erwartet und du deshalb aufgeregt bist und vielleicht auch befürchtest, es könne dir nicht gefallen, oder ob du wirklich nicht willst, was gerade oder gleich passiert.

Es ist wichtig, auch deinem Freund gegenüber „nein“ zu sagen

Um festzustellen, welches Vielleicht du gerade fühlst, kannst du deinen Freund oder Knutschpartner zum Beispiel bitten, dir kurz etwas zu trinken zu holen. Oder du behauptest, auf die Toilette zu müssen. Dann hast du einen Moment für dich, kannst tief durchatmen und in dich hineinfühlen.

Wenn das Vielleicht wirklich bedeutet, dass du nicht willst, was passiert, dann wird es Zeit, aus dem Vielleicht ein Nein zu machen – und genau das musst du dann dem Jungen, mit dem du all das gerade erlebst, auch sagen.

Natürlich hilft es auch, wenn du mit deinem Freund über eure sexuellen Erfahrungen, Wünsche und zukünftigen Schritte sprichst. Versuche, ihm ehrlich zu sagen, wofür du bereit bist und wofür nicht. Außerdem kannst du ihm sagen, dass es Dinge gibt, von denen du einfach noch nicht weißt, ob du sie willst – Vielleicht-Dinge. Dann könnt ihr euch zusammen überlegen, wie ihr damit umgeht. Ihr könnt zum Beispiel abmachen, dass dein Freund sich zurückhält, sobald du „vielleicht“ sagst und erst weiter macht, wenn du ihm das Okay dafür gibst.

Ich weiß, dass ist alles ganz schön kompliziert, aber es ist wichtig. Nur du selbst kannst herausfinden, ob du bereit für etwas bist oder nicht – oder eben nur vielleicht.

Hast du schon einmal Vielleicht-Situationen erlebt? Und wenn ja, wie bist du damit umgegangen? Verrate es mir doch bitte in den Kommentaren. Wenn du dich außerdem für meinen Newsletter einträgst, kannst du einen eigenen Artikel zu dem Thema im Mädels Club veröffentlichen.

Bis dahin: Du bist großartig – und das nicht nur vielleicht!

 

 

 

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