Gehirntumor: „Mein Krebs heißt A****loch!“

Mädels, ich muss euch jemanden vorstellen: Aylin. Sie ist 21 Jahre alt, lebensfroh, echt nicht auf den Mund gefallen, selbstbewusst –
und sterbenskrank!
Vor eineinhalb Jahren erhielt sie die erschütternde Diagnose: Hirntumor. Seitdem kämpft Aylin gegen die Krankheit – und das mit Mut, Kraft und jeder Menge schwarzem Humor. „Das ist meine Art, mit dem Krebs umzugehen. Irgendwie muss man sich ja über Wasser halten“, erklärt Aylin lachend gegenüber Mädelsschnack.

 

Wie aus dem Nichts hat Aylin immer häufiger und immer stärkere Kopfschmerzen. Anfangs dachte sie noch, dass es sich um Migräne handelt oder einfach am Stress bei der Arbeit lag. „Doch irgendwann bin ich plötzlich immer einfach umgefallen und habe Doppelbilder gesehen“, erinnert sie sich.
Aylin geht zum Arzt und lässt sich durchchecken. Weil der jedoch glaubt, ihre Symptome hätten etwas mit ihrem Kreislauf oder ihrem Herzen zu tun, wird alles überprüft – nur der Kopf nicht.

Die Ärzte stellen fest: Aylin hat Krebs

Als dann endlich doch ein MRT-Bild von ihrem Kopf gemacht wird, ist das Ergebnis erschreckend: ein Glioblastom, ein bösartiger Hirntumor, der bereits 4,8 Zentimeter groß war! „Es ist eh schwer, so ein Glioblastom zu operieren, immerhin sitzt er im Gehirn, aber wenn er so groß ist, dann ist die Chance auf eine erfolgreiche OP quasi ausgeschlossen“, so Aylin. „Hätte man den Tumor eher entdeckt, hätte man vielleicht noch etwas machen können. Tja, da habe ich echt die Arschkarte gezogen!“

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Durch die Chemotherapie hat Aylin ihre Haare verloren – aber nicht ihr Lächeln! „Die Zeit war schon sehr schlimm. Aber ich musste es wenigsten versuchen“, sagt sie.

Die Ärzte versuchen es mit einer Chemotherapie und Bestrahlung, doch nichts half. „Mein Tumor ist nicht heilbar. So ist das nun mal“, sagt Aylin.
Natürlich warf dieser Befund die 21-Jährige komplett aus der Bahn! „Die erste Zeit nach der Diagnose war wirklich furchtbar. Ich bin sogar in die Magersucht abgerutscht und habe bei einer Größe von 1,56 Meter nur noch 39 Kilo gewogen“, erinnert sie sich. „Doch dann dachte ich mir: Den ganzen Tag heulen bringt gar nichts. Irgendwann stirbt nun mal jeder, der eine halt früher als der andere. Die Ärzte hatten mir gesagt, dass ich nicht mehr lange zu leben habe, also wollte ich diese Zeit wenigstens nutzen.“

Aber wie viel Zeit bleibt Aylin wirklich noch? Keine Ahnung, auf jeden Fall nicht ewig, sagt sie. Aber laut ihren Ärzten wäre sie schon dreimal längst gestorben – ist sie aber nicht. Das macht ihr Mut: „ Der Tumor ernährt sich von schlechten Energiefeldern. Das einzige, was ich also machen kann, ist positiv zu sein und das Leben zu genießen. Ich glaube fest daran, dass diese Art zu denken hilft. Lebensfreude ist einfach das beste Mittel gegen den Krebs“, glaubt Aylin.

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Aylin liebt das Boxen! Doch in den Ring zu steigen ist viel zu gefährlich, erklärt sie: „Ich vermisse den Sport. Aber es geht nun mal nicht mehr.“ Ihre Haare wachsen seit Ende der Chemo langsam wieder nach.

Deshalb versucht sie auch, ihren Alltag nicht komplett nach ihrer Krankheit auszurichten. Zwar geht sie immer noch zur Dialyse, weil ihre Nieren nicht mehr richtig arbeiten, und nimmt außerdem Medikamente, die starke Übelkeit verursachen. Aber die Zeit, die sie nicht im Krankenhaus oder bei einem Arzt verbringen muss, gestaltet Aylin sich so schön wie möglich: „Ich gehe gerne ins Kino und wenn das Wetter schön ist, liebe ich es, an der frischen Luft zu sein“, erzählt die gelernte Altenpflegerin. „Außerdem mache ich viele Dinge, die man mit einem Hirntumor vielleicht besser nicht machen sollte: zum Beispiel von einem Zehn-Meter-Turm springen, Achterbahnfahren oder Inline-Skaten.“ Ganz klar: verbieten lassen möchte sich Aylin nichts!

Dieser Wille und die Freude am Leben, helfen Aylin, ihre Krankheit und die damit einhergehenden Schmerzen wenigstens einigermaßen zu ertragen. Dabei können ihr auch ihre Familie und ihre Freunde helfen: Sie stehen Aylin zur Seite und begleiten sie durch diese schwere Zeit.

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Seit der Diagnose Hirntumor muss Aylin immer wieder ins Krankenhaus, wie sie erklärt: „Es nervt mich, dass ich so viel Zeit mit meinen Ärzten verbringen muss. Aber das nützt ja nun mal nix!“

Das war nicht immer so – besonders in den Monaten nach der Diagnose wird Aylin von vielen Menschen enttäuscht. „Ich habe in dieser Zeit viele sogenannte Freunde verloren. Sie haben so getan, als täte ich ihnen leid und hinter meinem Rücken haben sie gelästert und gemeint, ich solle mich nicht so anstellen“, erinnert sie sich.
Doch Aylin hat keine Energie und keine Zeit mehr, ihr Leben mit falschen Freunden zu verbringen, also umgibt sie sich nur noch mit Menschen, die ihr gut tun ­– wie mit ihrem Verlobten. Mit ihm ist Aylin seit ungefähr zwei Jahren zusammen. „Wir waren früher schon ein Paar, aber da hatte es nicht gepasst. Aber jetzt sind wir glücklich. In ein paar Monaten ziehe ich zu ihm und nächstes Jahr wollen wir dann heiraten“, berichtet die glückliche Verliebte.

Ob sie die Hochzeit wirklich noch erleben darf, weiß sie nicht. Inzwischen hat der Tumor gestreut. Aylin hat Metastasen in den Nieren, dem Magen, der Brust und dem Bein. Auch der Tumor selbst ist gewachsen: Er ist 6,4 Zentimeter groß – ungefähr so groß wie ein Tennisball. „Ich hoffe trotzdem, dass mir noch ein paar Jahre bleiben. Ich möchte leben und noch vieles erleben“, so Aylin.

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Aylin hat nicht vor, aufzugeben! Sie möchte weiter kämpfen und noch viel erleben – auf jeden Fall ihre eigene Hochzeit nächstes Jahr.

Was sie sich sonst noch wünscht? Einen möglichst schmerzfreien Tod. „Ich habe keine Angst davor zu sterben, ich will nur nicht elendig verrecken!“, sagt sie.
Weil mit ihrer Krankheit jedoch oft auch ein schwieriger, schmerzhafter Tod einhergeht, hat Aylin sich über Alternativen Gedanken gemacht.
In machen Ländern gibt es sogenannte Sterbekliniken, in denen Menschen mit unheilbaren Krankheiten, ihr Leben selbst beenden dürfen. „Ich habe mir bereits eine Sterbeklinik in der Schweiz angeschaut“, erzählt Aylin. „Ich würde diese Entscheidung treffen, wenn mein Sterben von Qualen und Schmerzen begleitet wird. In so einer Sterbeklinik legst du dich in ein schönes Bett, drückst auf einen Knopf, Narkosemittel fließt in dich hinein und später ein Mittel, das dein Herz stoppt. Du spürst keine Schmerzen. Besser geht sterben nicht!“

Aylin möchte anderen Menschen helfen

Doch noch ist es nicht so weit. Noch gibt Aylin nicht auf! Sie versucht, ihr Leben zu genießen. Etwas, dass sie jedem anderen, egal ob gesund oder krank, auch raten würde: „Man weiß nie, wann das Leben endet, also hört auf, euch über Kleinigkeiten zu ärgern. Ihr solltet euch jeden Tag freuen und jeden Moment genießen, der euch gegeben wird.“
Um diese Lebensfreude an andere Menschen weiterzugeben, teilt Aylin ihre Krankheit und ihren Umgang damit öffentlich auf Instagram. Sie postet Bilder von ihren guten Tagen, aber auch von ihren schlechten. „Ich möchte anderen damit Mut machen und ihnen zeigen, dass man selbst mit einer schweren Krankheit glücklich sein kann. Natürlich hat man immer Angst wenn man Krebs hat, aber man kann das Leben trotzdem genießen“, verspricht Aylin.

Ich bin schwer beeindruckt von Aylin. Sie ist wirklich ein tapferes Mädel und ich kann noch jede Menge von ihr lernen! Vielen Dank liebe Aylin, dass du dir Zeit genommen hast, mit Mädelsschnack zu sprechen. Alles Liebe – du bist großartig!

Wenn du Lust hast, dich mit Aylin auszutauschen oder ihr Fragen über ihre Krankheit stellen möchtest, dann kannst du das gerne jederzeit tun. Entweder hier im Kommentarbereich oder direkt auf Instagram – Aylin freut sich immer über Nachrichten und antwortet gerne auf deine Fragen.
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Vielen Dank fürs Lesen – ihr seid großartig!

 

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