Das Impostor-Syndrom wird auch Hochstapler- oder Mogelpackungssyndrom genannt. Meiner Meinung nach vermitteln diese Bezeichnungen allerdings einen völlig falschen Eindruck von diesem Phänomen. Denn leidet jemand unter dem Impostor-Syndrom ist er keinesfalls ein Hochstapler oder Betrüger – er glaubt nur, er wäre einer.

Was ist das Impostor-Syndrom?

Ich befürchte, dass die meisten von uns schon einmal Bekanntschaft mit starken Selbstzweifeln gemacht haben. Ich auf jeden Fall. Ständig und andauernd zweifle ich an mir und meinem Können.  Deshalb habe ich oft Angst, zu scheitern oder einer Sache nicht gerecht zu werden. Betroffene, die unter dem Impostor-Syndrom leiden, haben jedoch nicht nur stark ausgeprägte Selbstzweifel, sie halten sich regelrecht für Betrüger. Weil sie ihre eigene Leistung nicht anerkennen, befürchten sie, jederzeit aufzufliegen. Sie haben Angst, jemand könnte bemerken, dass sie im Grunde überhaupt gar keine Ahnung haben und eigentlich gar nichts können.

Wenn du nicht selbst unter dem Impostor-Syndrom leidest, ist es gar nicht so einfach, die ganze Tragweite dieses Phänomens wirklich zu begreifen. Versuchen wir es mal an einem Beispiel: Wenn du ein Referat in der Schule oder einen Vortrag in einem Meeting halten musst, dann bist du vielleicht (vielleicht auch nicht) ziemlich nervös. Vielleicht hast du auch Angst, das Ganze gehörig zu vermasseln. Dein Lampenfieber steigt mit jeder Sekunde. Aber wenn du dann fertig bist, das Referat oder den Vortrag hinter dich gebracht hast, bist du erleichtert, hoffentlich sogar stolz auf dich.
Leidest du unter dem Impostor-Syndrom, bist du selbst nach deiner gelungensten Vorstellung nicht überzeugt von dir und deinem Können. Im Gegenteil: Du glaubst, deine Erfolge nicht verdient zu haben. Du bist dir sicher, sie nicht durch Leistung, sondern nur durch Charme, Beziehungen oder Glück erreicht zu haben. Deshalb halten sich Betroffene für Hochstapler und Betrüger, die jederzeit auffliegen könnten. Dieses Gefühl und die ständige Sorge, enttarnt und bloßgestellt zu werden, ist natürlich furchtbar anstrengend.
Dabei ist eines beim Impostor-Syndrom ganz besonders wichtig: Die Ängste und Bedenken sind unbegründet. Denn Betroffene sind in Wahrheit keine Hochstapler! Sie sind leistungsstarke Menschen, die einfach nicht an ihre eigenen Fähigkeiten glauben.

Wer leidet unter dem Impostor-Syndrom?

Aus irgendeinem Grund, leiden besonders Frauen unter dem Impostor-Syndrom. Scheinbar leben sie häufiger mit Selbstzweifeln als Männer. Warum das so ist? Keine Ahnung. Ich schätze einfach mal, das liegt an der Gesellschaft. Aber das ist ein anderes Thema.
Generell gilt außerdem,  dass das Impostor-Syndrom besonders häufig Menschen überfällt, die schon sehr viel erreicht haben beziehungsweise so richtig was drauf haben. Naturtalente beispielsweise leiden oft unter dem psychologischen Phänomen. Weil es Naturtalenten leicht fällt, etwas zu erreichen, glauben sie, es nicht verdient zu haben. Wenn Klausuren in der Schule ohne stundenlanges Lernen gelingen oder beim Sport große Erfolge ohne jahreslanges Training erzielt werden, dann kann doch etwas nicht stimmen – davon sind Betroffene zumindest überzeugt.

Wenn deine Selbstzweifel dich ausmachen

Leidet jemand unter den starken inneren Zweifeln, die das Impostor-Syndrom mit sich bringt, wird sein Handeln oft davon beeinflusst. Mit der Zeit entwickeln Betroffene deshalb extreme Eigenschaften, die ihren Charakter ausmachen:  

Perfektionisten
Hinter dem Willen, alles perfekt machen zu müssen, steckt oft die Angst, im Grunde nichts zu können. Wenn jemand unter dem Impostor-Syndrom leidet, entwickelt er oft das Denken und Handeln eines Perfektionisten. Er glaubt, nur wenn er 200 Prozent gibt, seine Leistungen alles übertreffen, können andere seine (angebliche) Unfähigkeit nicht enttarnen.

Einzelgänger
Um nicht enttarnt und den eigenen Erfolgen irgendwie gerecht zu werden, lehnen Betroffene oft jegliche Hilfe ab und machen lieber alles alleine. Statt mit anderen zusammen zu arbeiten, ziehen sie ihr eigenes Ding durch. Gerade bei Kollegen oder Klassenkameraden kann das ein Gefühl von Abweisung oder auch Arroganz vermitteln.

Experten
Die Angst, enttarnt zu werden, bringt viele Betroffene dazu, wie verrückt zu lernen. Menschen, die unter dem Impostor-Syndrom leiden, eigenen sich deshalb oft alles an, was es zu einem bestimmten Thema zu wissen gibt. Sie fühlen sich so sicher und glauben, die Gefahr, keine Antworten auf mögliche Fragen zu haben und somit auch die Gefahr, dass die eigene Unfähigkeit bemerkt wird, sei geringer.

Workaholic
Überstunden, Extra-Aufgaben und Freiwilligen-Dienst – Betroffene versuchen durch einen hohen Arbeitsaufwand ihre Selbstzweifel loszuwerden. Sie glauben, nur wenn sie besonders viel investieren, haben sie ihren Erfolg vielleicht auch irgendwann verdient.

Welche Ursachen hat das Impostor-Syndrom?

Wie genau das Impostor-Syndrom bei einem Menschen entsteht, ist leider nicht klar. Oft startet es mit gesunden, motivierenden Zielvorstellungen, die sich irgendwann verselbstständigen und einfach überdimensional werden. Wissenschaftler glauben außerdem, dass der Ursprung des Phänomens in der Kindheit steckt. Wenn du stets von deinen Eltern vermittelt bekommst, dass du nur etwas wert bist, wenn du viel leistest, leidet das eigene Selbstvertrauen enorm. Zudem können nicht nur deine Eltern dich dahingehend negativ beeinflussen, sondern auch die Erwartungen der Gesellschaft. Viele von uns haben oft das Gefühl, nicht mehr mithalten zu können. Immerhin muss heutzutage immer alles besser, schneller, größer und neuer sein, um cool zu sein.

Was hilft gegen das psychische Phänomen?

Impostor haben oft Schwierigkeiten damit, ihren eigenen Kreislauf aus Selbstzweifeln zu durchbrechen. Aber es kann gelingen! Weil das Symptom irgendwann Teil der eigenen Persönlichkeit ist, müssen Betroffene versuchen, an sich und ihren eigenen Erwartungen zu arbeiten. Hier kommen ein paar Tipps, die ein guter Anfang sind:

Du erkennst deine Erfolge vielleicht nicht sofort, aber sie sind da! Schreibe regelmäßig Tagebuch und notiere, was du erreicht hast. Wenn du siehst, dass du Erfolge mehrfach erleben kannst, erkennst du vielleicht, dass nicht etwa Glück, sondern dein eigenes Talent dafür verantwortlich ist.

Jeder kennt Selbstzweifel. Das Gefühl, zu versagen, dumm und nicht wertvoll zu sein. Diese Gefühle sind jedoch nicht nur unproduktiv, sondern oft auch völlig unberechtigt. Versuche zu erkennen, welche deiner Gedanken wirklich zur Wahrheit passen und welche nicht. Es ist total okay, einige Dinge nicht zu können. Aber es ist wichtig, zu bemerken, wenn du eine Sache tatsächlich kannst.

Stellst du die gleichen Anforderungen an andere wie an dich? Vermutlich nicht! Erlaube dir Fehler und setzte die Erwartungen an dich nicht höher als an andere. Generell gilt: Stelle realistische Anforderungen, die erfüllbar sind.

Wenn dir jemand sagt „das hast du gut gemacht“, dann glaube ihm. Ich weiß, das ist nicht immer einfach. Aber: Du hast Lob und Komplimente verdient, deshalb versuche sie anzunehmen.

Wie gesagt, ein Impostor hat mit tief sitzenden Selbstzweifeln zu kämpfen. Dass sich diese nicht einfach so in Luft auflösen ist total klar. Deshalb suche dir Hilfe. Rede mit Freunden und deiner Familie über die Angst, ein Hochstapler zu sein. Auch ein Therapeut kann beispielsweise mit einer Verhaltenstherapie eine große Hilfe sein.

Glaub an dich – du hast es verdient!

Hast du noch Fragen oder Anregungen zum Thema Impostor-Syndrom? Dann schreibe uns gerne direkt hier im Kommentarbereich (gerne auch anonym). Dann noch schnell den Mädelsschnack-Newsletter abonnieren, fertig. 

Auch wenn du an dir zweifelst, du bist großartig und deine Erfolge sind großartig – und ganz allein dein Verdienst!

Alles Liebe,
Isi von Mädelsschnack