Wenn du Bock auf coolen Pop mit jeder Menge Wortwitz und einer gehörigen Portion Ehrlichkeit hast, dann kann ich dir die Musik von Alli Neumann wärmsten ans Herz und an die Ohren legen.

„Es tut mir leid, aber das Monster ist da. Es ist ein Teil von mir“ – mit ihrer EP „Monster“ spricht Alli Neumann Themen an, die uns alle irgendwie beschäftigen und über die die meisten irgendwie nicht gerne reden. In ihren Songs geht es um das Leben. Es geht um das innere Monster, das in einem lebt. Es geht um die Gefahr, sich für andere zu verbiegen. Und es geht um den Schmerz, den man spürt, wenn ein geliebter Mensch leidet.
Das Tolle: Alli Neumann setzt dabei nicht auf schnulzige Phrasen, sondern jede Menge cleveren Wortwitz und viel, viel Ehrlichkeit. Herrlich!

Deshalb habe ich mich besonders gefreut, Alli Neumann im Interview mit Fragen bombardieren zu dürfen, auf die sie – natürlich – wunderbar offen und ehrlich geantwortet hat.

Alli Neumann und ihr inneres Monster

In deinem Song „Monster“ geht es um ein Monster, das in der lebt und dich vielleicht auch hin und wieder dazu bringt, Dinge zu sagen, die du eigentlich so gar nicht raushauen wolltest…
Genau. Ich hab oft einfach eine unglaubliche Wut in mir, mein Monster halt. Besonders in der Jugend war das ziemlich laut. Ich hab viel geschrien und hab Sachen gesagt, die ich nicht sagen wollte. Ich war einfach total wütend auf meine Eltern. Und statt die Probleme sachlich und mit Argumenten zu klären, habe ich rumgebrüllt und mit Türen geschlagen.

Hast du dein Monster denn heute besser im Griff?
Naja, ich lasse meine Wut nicht mehr an meinen Eltern aus. Aber dafür in Beziehungen. Also nein, nicht wirklich.

Aber du redest im Song nicht nur schlecht von deinem Monster. Es hat also auch eine gute Seite?
Unbedingt, denn es hat ein großes Ego. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mit Hilfe meines Monsters viel erreicht.

Wir sollten also lernen, das Monster für uns zu nutzen?
Ja, wenn wir es an den richtigen Stellen und Menschen auslassen, kann uns das weiterbringen. Manche Situationen kann man einfach nicht mit Argumenten klären, zum Beispiel wenn es um die eigenen Prinzipien geht, da braucht es eine klare Ansage und fertig. Wenn wir unsere Wut so nutzen, dann kann sie für uns ein Antrieb sein, unsere Ziele zu erreichen.

 

Alli Neumann Monster EP
Wer sich bisher noch nicht durch die EP "Monster" von Alli Neumann gehört hat, sollte das unbedingt nachholen!

Monster EP: Ehrlich, verletzlich und einen Hauch verrückt

Wie „Monster“ ist auch dein Lied „Orchideen“ sehr persönlich und bewegend. Magst du uns erklären, worum es darin geht?
Ich glaube, dass jeder von uns die Situation kennt, über die ich singe: jemand, der uns nahe steht, leidet. Wenn es jemandem aus der Familie oder aus dem engen Freundeskreis schlecht geht, dann erlebt man selbst viele intensive Emotionen. Wir leiden mit, fühlen uns verantwortlich, hilflos und schuldig. Wir glauben oft, dass wir mehr hätten tun müssen oder einfach etwas anders.

Aber was können wir denn tun, wenn andere leiden?
Einfach für sie da sein. Wir dürfen uns nicht von der Situation runterziehen lassen. Stattdessen sollten wir versuchen, positiv zu sein. So können wir anderen Leichtigkeit und Liebe schenken.

Und wie können wir uns helfen, wenn es uns selbst schlecht geht?
Das ist schwer. Mir persönlich hilft es extrem, zu reden. Dabei bin ich ganz ohne Erwartungen an mein Gegenüber. Ich möchte mir meinen Kummer einfach nur von der Seele reden. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht: Je offener ich über Themen rede, und die dürfen auch gerne unangenehm sein wie Magen-Darm, die Periode oder über Finanzielles, dass mein Gegenüber sich ebenfalls öffnet.

Das fühlt sich bestimmt gut an…
Total. Denn ist man nicht mehr alleine. Wir brauchen uns nicht zu schämen, weil wir wissen, dass andere genau die gleichen Probleme haben. Auch die super coolen Girls in der Schule. Wir sind gar nicht so anders als die.

Sei du selbst, denn du bist großartig!

Apropos anders. Ich finde, du hast eine wunderbare Andersartigkeit an dir. Leider verbinden viele etwas Negatives damit, anders zu sein…
Das stimmt, das musste ich selbst in der Schule auf eine unangenehme Art lernen. Ich bin ständig bei anderen angeeckt. Damals wurde ich aufgrund meiner Art von den anderen ausgestoßen. Deshalb habe ich mich unsicher gefühlt und habe mich zurückgezogen.

Hat sich die Situation für dich gebessert?
Ja. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich machen kann, was ich will – die Reaktionen auf mich waren immer gleich. Also habe ich es aufgegeben. Das Feedback der anderen wurde mir egal. Seitdem strahle ich nicht mehr diese Unsicherheit aus und biete anderen einfach keinen Raum mehr, mich anzugreifen. Das eigene Selbstwertgefühl hat viel damit zu tun, wie andere uns wahrnehmen.

Was können wir tun, um unser Selbstwertgefühl zu stärken?
Das richtige Umfeld ist wichtig. Wir sollten Menschen um uns versammeln, die uns so akzeptieren wie wir sind. Unsere Freunde sollten uns nicht runtermachen, sie sollten uns feiern.

Leider fällt es vielen von uns schwer, Freundschaften zu schließen…
Das kann ich verstehen. Aber ich denke, wir sollten uns einmal genau umschauen. Vielleicht haben wir keine Bilderbuch-Freundschaft, aber meistens gibt es doch einen Menschen in unserem Leben, dem wir bedingungslos vertrauen. Es muss nicht immer die perfekte BFF sein. Es kann genauso gut deine Oma, dein Nachbar oder jemand anderes sein.

Bitte beende diesen Satz: Wir Mädels sind…
Ehrgeizig, sozialintelligent und wir müssen unseren eigenen Wert kennen und ausstrahlen.

Vielen Dank, liebe Alli. Für deinen Mut, deine Ängste mit uns allen zu teilen und dafür, dass du uns beweist, dass wir alle nicht alleine sind mit unseren Problemen. #whoruntheworld

Wie sieht’s aus: Bist du mit deinem inneren Monster befreundet oder auf Kriegsfuß? Verrate es uns im Kommentarbereich (gerne auch anonym). Dann noch schnell den Newsletter abonnieren, fertig. 

Ich finde Alli Neumann und ihre Musik einfach großartig. Genau wie dich, denn du bist einzigartig wunderbar!

Alles Liebe,
Isi von Mädelsschnack