Loverboys – sie zwingen Mädchen von der Pubertät in die Prostitution

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Hast du schon mal den Ausdruck „Loverboys“ gehört? Wenn nicht, was stellst du dir darunter vor? Vielleicht etwas Harmloses wie „ein Freund, der super süß ist“?
Leider würdest du damit total falsch liegen, denn Loverboys sind ganz und gar nicht niedlich: Loverboys sind Männer, die junge Mädchen verführen, um sie dann in die Prostitution zu zwingen!

Vermutlich klingt das erst einmal ziemlich absurd und vielleicht kannst du dir auch gar nicht vorstellen, dass so etwas wirklich passiert und dass Mädchen tatsächlich auf Loverboys reinfallen, aber ich kann dir sagen:
es passiert!
Kein Wunder, immerhin gehen die Loverboys sehr raffiniert vor. Sie manipulieren die Mädchen, erpressen sie, machen sie hörig und nutzen ihre Liebe dann aus.
Wie genau die Loverboys dabei vorgehen, hat mir Anika erklärt. Sie ist die Berlin Koordinatorin von „Liebe ohne Zwang“, ein Projekt, das zum „Netzwerk gegen Menschenhandel“ gehört und das sich ganz gezielt mit dem Thema Loverboys beschäftigt.

Die Opfer von Loverboys sind jung, manchmal sogar erst elf oder zwölf Jahre alt. Foto: Samuel Becker, www.samuelbecker.de

Loverboys zwingen ihre Freundin in die Prostitution!

 

Anika, kannst du uns sagen, ob man Loverboys auf den ersten Blick erkennt?
Nein. Einen Loverboy kann man leider nicht an seinem Aussehen enttarnen. Es ist noch nicht einmal so, dass alle Loverboys der gleiche Typ Mann sind – einige sind zum Beispiel Machos, andere wiederum nicht.
Allerdings sind Loverboys relativ jung, aber meist volljährig, damit sie Autos fahren und Wohnungen anmieten können. Sie sind also meistens zwischen 18 und Ende zwanzig.

Und wie sieht es mit den Opfern von Loverboys aus, ähneln sich die Mädchen?
Ja, im Prinzip schon. Die Mädchen stecken meist in der Pubertät. Sie sind oft unsicher und haben nur ein geringes Selbstbewusstsein. Wenn du dann auch noch Probleme mit deinen Eltern hast und in der Schule gemobbt wirst, sehen dich Loverboys als perfektes Opfer. Loverboys wissen es, wenn du deinen Selbstwert noch nicht kennst und genau das nutzen sie aus.

Wo finden Loverboys ihre Opfer?
Meistens im Internet. Hier können sie anonym auf Opfersuche gehen und außerdem alles über die Mädchen erfahren – was sie für Klamotten tragen, was sie in ihrer Freizeit machen und auch, ob es ihnen gut geht oder sie gerade eine schwere Zeit durchmachen – all diese Informationen posten viele Mädchen öffentlich auf sozialen Netzwerken wie Instagram und Facebook.

Auch an den Schulen finden Loverboys viele Opfer. Dafür rekrutieren sie Jungs, die ungefähr im Alter der Mädchen sind – und die jüngsten Betroffenen sind 11 Jahre alt. Diese Jungs sollen dann passende Mädchen für sie finden und an sie vermitteln. Dabei werden die Jungs selbst zum Täter und machen sich strafbar, aber auch zum Opfer. Sie werden ebenfalls von den Loverboys missbraucht, nicht sexuell, aber emotional über die freundschaftliche Ebene.
Abgesehen davon beobachten Loverboys ihre potenziellen Opfer auch auf der Straße, im Club oder im Kino.

Mädelsschnack l Loverboy

Ein Loverboy macht seiner Freundin Komplimente und Geschenke – doch dann ändert sich alles! Foto: Samuel Becker, www.samuelbecker.de

Was passiert, wenn ein Loverboy ein Opfer gefunden hat?
Dann sorgt er dafür, dass sich das auserwählte Mädchen in ihn verliebt. Die Masche ist dabei immer sehr ähnlich: Er spielt den perfekten Freund! Er ist dem Mädchen gegenüber sehr zugewandt, er ist für sie da, hört ihr zu, macht ihr viele Komplimente und Geschenke.

Doch irgendwann ändert sich das…
Richtig. Je nachdem, wie schnell er das Mädchen einwickeln kann, ändert er seine Taktik. Der Loverboy möchte seine Freundin gefügig machen und wagt sich dafür Schritt für Schritt vor, testet, wie weit er gehen kann. In so gut wie allen Fällen führt er das Mädchen erst einmal an Drogen heran, gibt ihr Alkohol und auch härtere Konsummittel.

Die Loverboys sind wirklich sehr geschickt: Erst wiegen sie die Mädchen in Sicherheit und lassen sie auf Wolke Sieben schweben und dann fallen immer häufiger Sätze wie „Ich brauche deine Unterstützung“, „du musst mir helfen“, „ich war immer für dich da, jetzt musst du auch für mich da sein“.

Warum macht der Loverboy das?
Weil seine Freundin, sein Opfer, für ihn anschaffen und Geld verdienen soll, das ist von Anfang an sein Plan. Deshalb verlangt er irgendwann plötzlich, dass sie etwas für ihn tut, ihn unterstützt.

Zum Beispiel behauptet er, dass er Schulden bei einem Kumpel hätte und dass dieser Kumpel die Schulden erlassen würde, wenn er mit ihr, also mit der Freundin vom Loverboy, Sex haben darf. Oder er verspricht dem Mädchen, dass sie gemein eine Zukunft aufbauen, sich ein Haus kaufen oder auswandern, doch dafür muss sie erst einmal das Geld anschaffen…

Und die Mädchen gehen darauf ein?
Ja, viele. Bei einigen Mädchen dauert es einige Monate bei anderen Wochen. Je nachdem, was er tut, um sie zu zwingen.

Was passiert, wenn ein Mädchen sich weigert?
Sie weigern sich zunächst alle. Natürlich möchte sich keines der Mädchen prostituieren, aber sie sind emotional schon so abhängig, dass sie es irgendwann doch tun. Oder aber, der Loverboy wird ihr gegenüber gewalttätig, droht sogar, ihrer Familie oder ihren Freunden Schaden zuzufügen.

Oft kommt es auch vor, dass ein Mädchen vergewaltigt wird. Diese Vergewaltigung wird mitgefilmt, um das Mädchen damit erpressen zu können: Wenn sie nicht tut, was ihr Loverboy verlangt, stellt er das Video ins Internet oder zeigt es an ihrer Schule. Damit hat er sie in der Hand und sie gehorcht ihm, denn inzwischen weiß sie, wozu er fähig ist.

Wie geht es dann weiter?
Es ist wie eine Spirale: Der Loverboy findet immer mehr Gründe, um das Mädchen zur Prostitution zu zwingen. Die Drogen, von denen er sie abhängig gemacht hat, muss sie zum Beispiel irgendwann bezahlen. Genauso wie die Miete für die Wohnung, die er ihr besorgt hat, damit sie dort ihre Freier empfangen kann.

Doch der Loverboy gibt sich nicht nur als Zuhälter, er achtet auch immer wieder darauf, den guten Freund zu spielen. Er verspricht seinem Opfer, dass sie nur noch ein einziges Mal mit einem fremden Mann schlafen muss, dann können sie endlich zusammen glücklich werden. Er macht ihr hin und wieder besondere Geschenke oder führt sie auch mal wieder zum Essen aus. Dadurch ist das Mädchen total verwirrt und hat immer wieder die Hoffnung, dass doch noch ein Happy End auf sie wartet.

Ein Loverboy weiß genau, was er tun muss, um ein Mädchen zu manipulieren

 

Wo gehen diese Mädchen anschaffen?
Sie werden meistens nicht auf einen „normalen Strich“ geschickt. Sie müssen in einer Wohnung anschaffen, in der sie ihre Freier empfangen. Die Nachfrage ist erschreckend groß! Und die Freier wissen, dass die Mädchen minderjährig sind und zur Prostitution gezwungen werden, doch das schreckt sie nicht ab, im Gegenteil!
Die Mädchen bekommen meistens eine Vorgabe, wie viel Geld sie am Tag anschaffen müssen. Natürlich geht das Geld zu hundert Prozent an die Loverboys.

Bemerkt denn niemand aus dem Umfeld der Mädchen, was mit ihnen passiert?
Das kann man ehrlich gesagt gar nicht so einfach. Besonders, weil die Loverboys am Anfang darauf achten, dass die Mädchen weiterhin ein möglichst normales Leben führen. Sie fahren sie zum Beispiel morgens zur Schule. Nach Schulschluss und bevor die Mädchen dann abends nach Hause zu ihren Eltern dürfen, müssen sie so viele Freier bedienen wie möglich.

Aber dieses Doppelleben kann man doch nicht lange aufrechterhalten, oder?
Natürlich nicht. Aber in dieser Zeit, in der es die Mädchen noch irgendwie schaffen, sorgen die Loverboys dann dafür, dass sich ihre Opfer von ihrer Familie und ihren Freunden distanzieren – so bekommen es nur wenige mit, wenn die Mädchen dann irgendwann nicht mehr in der Schule auftauchen und quasi in Vollzeit anschaffen gehen.

Wie kann sich ein Mädchen aus diesem schrecklichen Missbrauch befreien?
Es ist wichtig, dass sie mit den richtigen Menschen über ihre Erlebnisse spricht, Menschen denen sie vertrauen kann. Egal, ob mit ihren Freunden, ihren Eltern oder auch Lehrern. Außerdem können sich die Mädchen an Vereine wenden, die Frauen in Notlagen unterstützen. Ein Mädchen, das dort Hilfe sucht, wird zunächst einmal in ein Schutzhaus gebracht, in dem es vor ihrem Loverboy sicher ist. Außerdem begleiten diese Vereine auch die Zukunft der Mädchen, besorgen ihnen Therapieplätze oder begleiten sie ins Gericht, wenn es zur Anklage gegen den Loverboy kommt.

Kommt es denn häufig zur Anklage?
Immer öfter. Inzwischen ist die Loverboy-Masche bekannter geworden und eine erfolgreiche Verhandlung wahrscheinlicher. Der Loverboy mach sich vieler Delikte, wie zum Beispiel Missbrauch, Menschenhandel, Drogenhandel und so weiter schuldig und so sind Strafen ziemlich hoch.

Mädelsschnack l Loverboy

Opfer von Loverboys fühlen sich schmutzig, missbraucht, egal, wie oft sie duschen… Foto: Samuel Becker, www.samuelbecker.de

Wie können Freunde und Familie die Opfer von Loverboys unterstützen?
Im ersten Schritt müssen sie erst einmal erkennen, dass hier ein Missbrauch durch einen Loverboy vorliegt. Dafür gibt es bestimmte Anzeichen: Opfer von Loverboys sind oft sehr müde und sie duschen ständig und sehr ausgiebig. Auch wenn sie immer lange Klamotten tragen, selbst im Sommer, kann das ein Zeichen dafür sein, dass sie blaue Flecken verstecken.

Der nächste Schritt ist, dass das Umfeld begreift, was diese Mädchen durchmachen. Sie werden jeden Tag mehrfach vergewaltigt – sie können nicht einfach in ihr normales Leben zurückkehren und weiter machen wie bisher.
Neben den emotionalen Herausforderungen gibt es auch noch ganz praktische zu bewältigen: Wenn ein Mädchen es geschafft hat, von ihrem Loverboy loszukommen, sollte es die Schule wechseln, vielleicht sogar in eine andere Stadt ziehen. Denn die Loverboys wissen ja, wo das Mädchen zu finden ist und sie geben nicht auf und werden immer wieder versuchen, das Mädchen wieder zu kontaktieren – oder sogar sie ihn.

Gehen denn viele Mädchen auf diese erneute Kontaktaufnahme ein?
Leider ja. Denn oft versuchen diese Mädchen alles, um ihre Illusionen trotz allem aufrechtzuerhalten. Die Tatsache, dass sie so viel Leid erfahren mussten, ist schon schlimm genug, aber dann auch noch zu realisieren, dass ihr Loverboy sie nie wirklich geliebt hat, sondern von Anfang an vorhatte, sie zu benutzen und zu missbrauchen, wäre einfach zu viel für die Mädchen.

Wie viele Mädchen werden Opfer von Loverboys?
Leider gibt es keine genauen Zahlen dazu. Ich kann nur sagen: Wir verteilen in jeder Klasse, in der wir einen Vortrag über Loverboys halten, einen Feedback-Bogen, auf dem die Schüler und Schülerinnen ankreuzen sollen, ob sie selbst oder jemand aus ihrem Freundeskreis schon einmal Erfahrungen mit einem Loverboy oder Ähnlichem gemacht haben – in fast jeder Klasse kreuzt mindestens eine Person „Ja“ an.

 

So kannst du dich vor Loverboys schützen:

Informiere dich

  • Es ist wichtig, dass du informiert bist. Wenn du noch zur Schule gehst, kannst du auch dafür sorgen, dass deine Klassenkameraden mehr über Loverboys erfahren: Lade das Team von „Liebe ohne Zwang“ in deine Schule ein – sie erklären euch alles, was ihr wissen müsst!
  • Auch für Eltern wird diese Form der Beratung angeboten – nutzt sie!

Such dir Hilfe

  • Wenn du das Gefühl hast, an einen Loverboy geraten zu sein, dann wende dich an eine Vertrauensperson und erzähle ihr davon. Du kannst dir auch professionelle Hilfe suchen und dich an ein Frauenhaus wenden.
    Unter der Telefonnummer 08000 116016 erreichst du rund um die Uhr jemanden, der dir weiterhilft und dir die richtige Unterstützung vermittelt.

Stärke dein Selbstbewusstsein

  • Ich weiß, es ist leichter gesagt als getan, aber wenn du ein starkes Selbstbewusstsein hast und dich nicht von der Meinung anderer abhängig machst, versaut das dem Loverboy mächtig die Tour!

Höre auf dein Bauchgefühl

  • Wenn du dich in der Gegenwart oder in der Beziehung mit deinem Freund unwohl fühlst und vielleicht schon spürst, dass irgendwas nicht stimmt, dann vertraue auf dein Gefühl: Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es wahrscheinlich auch nicht wahr!

Hinterfrage kritisch

  • Wenn dein Freund das Geld zum Fenster hinauswirft, dir aber nie erzählt, womit er sein Geld verdient, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass hier etwas faul ist. Hinterfrage einige Themen deshalb auch ruhig kritisch und bestehe auf Antworten.

Hab gesunde Beziehungsvorstellungen

  • Überlege dir bereits bevor du eine Beziehung eingehst (oder auch während dessen), was du von einer Beziehung erwartest und was in der Liebe absolute NoGos für dich sind. Wenn dein Freund deine persönlichen Beziehungs-Grenzen überschreitet, solltest du handeln.
    Gebe die Liste mit deinen Beziehungs-NoGos an eine gute Freundin weiter und bitte sie, dich an diese NoGos zu erinnern, wenn es nötig wird und sie merkt, dass du in einer Beziehung steckst, die dir nicht gut tut.

Zu guter Letzt

  • Wenn dich dein Freund in die Prostitution drängen will, dann ist er nicht dein Freund, sondern ein Loverboy!

 

Ich finde, es ist sehr wichtig, dass wir möglichst viel über das Thema Loverboys wissen – denn Informationen können hier schon ein guter Schutz sein. Deshalb könnt ihr euch natürlich gerne über die Thematik direkt hier im Kommentarbereich austauschen.
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Jede einzelne von uns, jedes Mädchen, jede Frau, wir selbst und alle, die wir kennen, sind großartig!

 

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