OCD ist die Abkürzung für Obsessive-Compulsive Disorder. Das ist der englische Begriff für „Zwangsstörung“. Und genau das ist OCD – eine Zwangsstörung, die Betroffene mit unerwünschten und nicht kontrollierbaren Gedanken, Vorstellungen und Handlungen belastet.

Was bedeutet OCD?

Es ist gar nicht so einfach, die Symptome und Auswirkungen einer Zwangsstörung zu erklären. Denn wenn du das Gefühl von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen nicht kennst, dann ist die psychische Krankheit nur sehr schwer nachzuvollziehen. Aber wir versuchen es dennoch. Hast du schon mal das Haus verlassen und dich gefragt, ob du das Bügeleisen, den Herd, das Glätteisen oder einfach nur das Licht ausgeschaltet hast? Und nun stell dir vor, du kannst diesen Gedanken nicht wieder aus deinem Kopf bekommen. Es hilft nicht, wenn du dir sagst „klar, ich hab das Ding ausgeschaltet“. Es hilft nicht, dass du eigentlich ganz genau weißt, dass du alles ausgeschaltet hast. Stattdessen hat sich der quälende Gedanke, es nicht getan zu haben,  in deinem Kopf festgesetzt. Und er lässt keinen Platz mehr für andere Gedanken. Er quält dich so lange, bist du wieder ins Haus gehst und nachschaust, ob du auch wirklich den Stecker gezogen oder den Aus-Knopf gedrückt hast. Und selbst dann, wenn du das Haus danach wieder verlässt, bist du dir immer noch nicht sicher, ob du auch wirklich alles ausgeschaltet hast…
So (oder zumindest so ähnlich) ergeht es Betroffenen von OCD. Menschen, die unter Zwangsstörungen leiden, leiden unter der ständigen Angst, durch ihr Verhalten etwas Negatives auszulösen. Deshalb zwingt ihr Unterbewusstsein sie dazu, Dinge zu tun, die für andere völlig absurd erscheinen. Beispielsweise die Tür fünfmal ab- und wieder zuzuschließen, ehe man das Haus verlässt. Oder sich gleich mehrfach die Stunde die Hände zu waschen. Während die meisten in diesen Handlungen keinen Sinn sehen, sind sie für OCD-Erkrankte Voraussetzung für ein sicheres Leben. Das denken sie zumindest. Sie glauben, wenn sie die Tür nicht fünfmal abschließen, sei sie nicht richtig zu. Sie glauben, wenn sie sich nicht alle paar Minuten die Hände waschen, wären sie voller Bakterien und Schmutz.

Zwangsstörungen – wie können wir mit ihnen leben?

Zwangsstörungen sind unglaublich einnehmend. Sie bestimmen das Leben der Betroffenen. Nicht nur, weil sich die Zwangsstörungen in bestimmten Handlungen und Ritualen äußern, sondern vor allem, weil sie enorme Auswirkungen auf die eigene Gedankenwelt haben.

Stell dir vor, du hast bei jeder Türklinge, die du berührst, totale Panik, dich mit Krankheiten anzustecken. Oder stell dir vor, du kannst keine einzige Treppe gehen ohne jede einzelne Stufe zu zählen. Und wenn die Treppe auf einer ungeraden Zahl endet, dann musst du so lange nach weiteren Stufen in der Nähe suchen, bist du eine Treppe gefunden hast, die auf einer geraden Zahl endet. Stress pur!

Das sind die Symptome einer Zwangsstörung

Dies sind die häufigsten Symptome einer OCD-Erkrankung:

  • Übertriebene Körperhygiene (Waschzwang)
  • Übertriebenes Putzen der eigenen Umgebung
  • Kontrollhandlungen, um Zweifel zu beseitigen (beispielsweise das ständige Zu- und Aufschließen einer Tür)
  • Übertriebene Ordnung
  • Ständiges Zählen
  • Wiederholtes Murmeln von Mantras, um angebliche Gefahren abzuwenden

Obwohl Betroffene meist wissen, dass ihre Zwangshandlungen und Gedanken keinen wirklichen Sinn ergeben, können sie diese dennoch nicht kontrollieren. Sie können ihre Zwänge nicht einfach ablegen. Sie müssen ihre Rituale befolgen und zwar nach strengen Regeln, sonst haben sie das Gefühl, ihr Leben würde komplett durcheinander geraten.
Natürlich braucht die Ausführung der gelebten Muster und Rituale viel Zeit. Zudem sind viele Zwangsstörungen mit Ängsten verbunden. Bedeutet: Wenn jemand panische Angst vor Schmutz und Krankheiten hat, verlässt er nur noch ungern seine eigenen vier Wände und hält lieber Abstand zu anderen Menschen. Ganz klar: Mit einer OCD ist ein normales Leben so gut wie unmöglich. Deshalb versuchen Erkrankte auch oft, ihre Zwänge zu ignorieren, doch das ist gar nicht so einfach. Sie haben sich meist schon tief in einem verankert. Aber es geht!

Wie wird OCD behandelt?

Eine Therapie ist oft der einzige Ausweg aus einer Zwangsstörung. Dabei handelt es sich beispielsweise um eine Verhaltenstherapie oder Expositionstherapie. Im Grunde geht es darum, dass sich Betroffene – natürlich unter der Leitung eines Therapeuten – Situationen aussetzen, die ihre Zwänge triggern. Gemeinsam wird dann daran gearbeitet, einen „normalen“ Umgang mit diesen Situationen zu erlernen.
Einige OCD-Erkrankte nehmen auch Medikamente wie Antidepressiva ein. Denn einige Betroffene rutschen aufgrund ihrer negativen Gedankenwelt in eine Depression. Ob eine medikamentöse Behandlung wirklich nötig und hilfreich sein kann, wird aber bei jedem Menschen individuell entschieden. 

Ursachen für eine Zwangsstörung

Doch wie entsteht eine Zwangsstörung überhaupt? So richtig geklärt ist das leider nicht. Aber es ist klar, dass es unterschiedliche Einflüsse und Risikofaktoren gibt. Scheinbar gibt es unter anderem eine genetische Vorbelastung. Bedeutet: Wenn deine Eltern unter OCD leiden, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch du anfällig dafür bist. Auch schlimme Erfahrungen und Traumata können eine Zwangsstörung auslösen. Denn wenn du Situationen erlebt hast, in denen dir komplett die Kontrolle fehlte, dann kann ein Kontrollzwang für vermeintliche Ruhe in deinem inneren Chaos sorgen. Zu guter Letzt kann auch die Erziehung eine Rolle spielen. Wenn Eltern überfürsorglich sind und ihre Kinder vor allem – beispielsweise vor ach so bösem Schmutz – retten wollen, kann sich daraus eine Zwangshandlung entwickeln.

Leide ich unter einer Zwangsstörung?

Ich bin davon überzeugt, dass wir alle hin und wieder unter einer leichten Zwangsstörung leiden. Ich beispielsweise finde Schmutz echt sehr schwer auszuhalten und würde mir niemals ins Gesicht fassen, wenn ich gerade einen Einkaufswagen durch die Gegend geschoben habe. Aber: Das ist noch lange keine Zwangsstörung. Es ist wichtig, dass eigene Verhalten hin und wieder zu beobachten und Muster wahrzunehmen. Denn ständige Wiederholungen im Verhalten können tatsächlich nach und nach zu einer Zwangsstörung führen. Aber wie gesagt: Ein bisschen Zwang ist völlig normal und noch kein Grund zur Sorge.

Hast du noch Fragen zum Thema OCD? Dann stell sie gerne direkt hier im Kommentarbereich (gerne auch anonym). Dann noch schnell den Newsletter abonnieren, fertig. 

Ob du unter Zwangsstörungen leidest oder nicht: du bist großartig – und das ändert sich auch nicht aufgrund von Zwangshandlungen oder Gedanken.

Alles Liebe,
Isi von Mädelsschnack